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Wenn's zwickt, soll man dem Körper lieber Ruhe schenken.
TRAININGSTIPPS
Strudel negativer Gedanken erhöht das Verletzungsrisiko
Läufer, die ihrem nicht ausreichenden Training die Schuld an Beschwerden geben, verfallen in einen Strudel negativer Gedanken und sind langfristig häufiger verletzt als Läufer, die ihrem Körper im richtigen Moment eine Pause gönnen. Zu dieser Erkenntnis kommt eine in der Fachzeitschrift „British Journal of Sports Medicine“ veröffentlichte Studie.
Schwedische Forscher analysierten 278 Elite-Leichtathleten im Junioren- und Seniorenalter über den Zeitraum von rund fünf Jahren. Dabei mussten die Probanden (oder im Notfall ihre Eltern) regelmäßig detaillierte Fragen zum Training beantworten und jegliche Schmerzen oder andere Beschwerden in dieser Zeit angeben. 71% der Probanden litten mindestens einmal im Jahr an einer Verletzung, 97% dieser Verletzungen wurden von den Forschern als Verletzungen, welche von einer Überbeanspruchung herrühren wie Sehnenscheidenentzündungen oder Stressfakturen, klassifiziert. Die Studie kam zur Erkenntnis, dass jene Probanden, die sich selbst die Schuld an den Beschwerden gaben und sie mit dieser Erkenntnis bewältigten, häufiger verletzt waren als andere Probanden.

„Ein Strudel negativer Gedanken“

„Wenn ein Läufer als Strategie, um mit Beschwerden zurecht zu kommen, sich selbst die Schuld gibt, liegt die Erklärung dafür meist darin, dass der Läufer glaubt, er hätte zu wenig hart trainiert“, erklärt Wissenschaftler Toomas Timpkin von der Universität in Linköping und Autor dieser Studie. „Diese Strategie kann dem Athleten tatsächlich kurzfristig helfen, denn es mag sein, dass er im Training sich zu wenig hart für einen Wettkampf vorbereitet hat. Das Problem ist aber, dass der Läufer automatisch in einen Strudel negativer Gedanken hineingerissen wird, was langfristig ein Problem darstellt“, so Timpkin weiter.

Ruhe lindert Beschwerden
Wenn ein Läufer einen Anflug von Schmerzen während des Trainings spürt, so sei es der ideale Weg, sich aus dem Training zurückzuziehen, bis die Schmerzen verschwinden. Denn die meisten Verletzungen, die auf Überbeanspruchung zurückzuführen sind, beginnen mit leichten Entzündungen, welche sich mit wenigen Tagen Ruhe automatisch verflüchtigen. „Wenn ein Athlet diese psychologische Stärke nicht hat und trotz der Schmerzen weiter trainiert, entwickelt sich die Körperstruktur in eine negative Richtung, um mit den Beschwerden besser umgehen zu können. Sehnen und Gelenke leiden darunter“, so der schwedische Wissenschaftler.

Beschwerdefrei intensiv trainieren

Häufig lauten Ratschläge, das Trainingsprogramm zu intensivieren, um das Verletzungsrisiko bei hohen Belastungen im Wettkampf zu vermeiden. Damit liegt man nicht prinzipiell falsch, wie Timpkin klarstellt: „Nicht der Trainingsumfang und die gelaufenen Distanzen sind das Problem, sondern das Training, wenn der Körper eine Ruhepause braucht.“ Er empfiehlt, bei Beschwerden immer einen Trainer, Physiotherapeut oder anderen medizinischen Experten zu konsultieren. 
Text: SIP / TK
Foto: Salzburg Marathon / Bryan Reinhart