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Spannende Themen bei ÖLV-Impulstag für Laufevents
Der Umgang mit Daten, Best-Practice-Beispiele aus Deutschland und Österreich sowie die Frage nach der richtigen Wahrnehmung waren die Hauptthemen beim zweiten ÖLV-Impulstag am vergangenen Wochenende in Salzburg.
Zum zweiten Mal fand am Samstag, 14. November in Salzburg der ÖLV-Impulstag für Laufevents statt. Das Zusammentreffen bot ein spannendes Panorama an Vorträgen und Diskussionen mit nationalen und internationalen Referenten. Für Laufveranstalter jeder Größenordnung war das Seminar ein wichtiger Anstoßgeber. ÖLV-Vizepräsident Hubert Lang konnte 54 Teilnehmer beim Impulstag begrüßen, den Johannes Langer, Veranstalter des Salzburg Marathon, vorbereitet und moderiert hat. „Am Wichtigsten ist das Miteinander zwischen allen Beteiligten, was stark spürbar ist. Der Laufsport ist ein ganz wichtiger Partner für den ÖLV. Wir wollen gemeinsam etwas entwickeln, den Austausch fördern und sind für Anregungen jederzeit offen. Es freut mich sehr, dass der Impulstag für Laufevents nach der erfolgreichen Premiere im Vorjahr eine starke Fortsetzung gefunden hat“, sagte Hubert Lang.

Über allen Programmpunkten stand die Stärkung der Qualität und der Wahrnehmung als wichtigstes Ziel. Der Umgang mit Personendaten, der Einsatz von Social Media Strategien, Best-Practice Beispiele erfolgreicher Events, die kritische Hinterfragung des Status Quo, Zukunftsherausforderungen und die „Runing for All“-Initiative von European-Athletics zählten zu den Hauptthemen.

Social Media und Umgang mit Personendaten

„Digital“ lautete das Schlagwort für die Vormittag-Session. Michael Maertin von der Online-Agentur Performics sprach über Chancen und Strategien im Social Media Marketing. Die veränderte Mediennutzung – Stichworte „Multi Screen“, „Always on“ und „Echtzeit“ – fordert auch Laufveranstalter, um mit potentiellen Teilnehmern und der Öffentlichkeit zu kommunizieren. Er zeigte einige Basics und Tipps für wirkungsvolle und vergleichsweise günstige Möglichkeiten zum Marketing auf Facebook.

Eckart Holzinger von Online-Marketing-Forum.at schärfte mit seinem Referat das Bewusstsein über Rechte und Risiken im Umgang mit Daten. Die rechtlichen Vorgaben zur Verwendung von Personendaten, wie sie beispielsweise bei der Anmeldung zu Laufveranstaltungen generiert werden, die Verwendung dieser Daten für Informationszwecke und die gesetzlichen Regelungen betreffend der Datenverwendung durch Subunternehmer (z.B. Anmeldeportale) werden weitere Schritte im Einklang mit dem Datenschutzgesetz nötig machen.

Ingo Lenzing vom deutschen Software-Unternehmen :datacapo stellte die Plattform Xivado vor, mit der eine integrierte Lösung für Datenmanagement und Zeitnehmung vorliegt. Peter Pentek, der mit Pentek Timing traditioneller Marktführer in Österreich ist, betonte, dass er Zeitnehmung in erster Linie als Handwerk sieht, das auf Vertrauen und Konstanz beruhe. Wenn „große“ Unternehmen ihre Dienste zum Preis von Ein-Personen-Unternehmen anbieten, zeige dies, dass andere Interessen wie Marketing und Datengewinnung im Vordergrund stehen würden.

„Best Practice“: Frankfurt Marathon und österreichische Events

Der Nachmittag stand im Zeichen von Event- und „Best-Practice“-Präsentationen. Jo Schindler, Race Director des Frankfurt Marathon, stellte eindrucksvoll die Entwicklung des ältesten deutschen Stadtmarathons vor. Er zeichnete den Beginn seit 1981 auf Basis von Vereinsstrukturen über die Rolle der Stadt Frankfurt bis zur derzeitigen Organisation mit einer eigenständigen, von ihm geführten Agentur als Veranstalter nach. Spitzensport, hochwertiges Service für die Teilnehmer und eine attraktive Inszenierung nannte er als wichtigste Säulen. Für die Zukunft sieht er eine noch wachsende Bedeutung der Gesundheit und eine weitere Internationalisierung, was den Laufsport stärke. Negative Trends könnten in der demographischen Entwicklung liegen, da die jüngeren Jahrgänge weniger stark sind. Zudem hält er die aktuellen Fälle um Korruption und Doping, auch außerhalb der Leichtathletik, für eine Gefahr.

Laufsport mit Wahrnehmungsproblem

Mehrere österreichische Veranstalter stellten die Besonderheiten „ihres“ Events vor: Hubert Lang sprach über den Silvesterlauf Peuerbach, der in einer 2400-Seelen-Gemeinde zu einem europäischen Topevent geworden ist. Ilse Dippmann und Andreas Schnabl stellten den Österreichischen Frauenlauf vor. Langjährige Aufbauarbeit, wöchentliche Frauenlauftreffs in ganz Österreich und „Goodies“ wie das jährliche Frauenlauf T-Shirt bewegten heuer die Rekordzahl von 33.000 Läuferinnen. Michael Kummerer präsentierte das Erfolgskonzept von „Kärnten läuft“, das rund um den Halbmarathon als Kernevent ein Sommerpackage für die ganze Familie anbietet – mit verschiedenen Laufangeboten, Kabarett und natürlich der Bademöglichkeit im Wörther See. Wolfgang Konrad, Veranstalter des Vienna City Marathon, stellte sein Referat unter das Motto „anders betrachtet“. Denn trotz enormer Teilnehmerzahlen und starker Entwicklungen bei vielen Veranstaltungen sieht er für den Laufsport ein Wahrnehmungsproblem – in der Öffentlichkeit, in den Medien und bei der Politik. Die wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Leistungen, die der Laufsport erbringt, werden nicht entsprechend anerkannt. Dies zu ändern, sei auch eine Aufgabe für jeden einzelnen Veranstalter.

“Running for All“ von European Athletics

Im abschließenden Punkt brachte Marko Vasic von European Athletics die Diskussion auf eine gesamteuropäische Ebene. Unter dem Claim „Running for All“ hat der europäischen Leichtathletik-Verband in diesem Jahr ein erfreuliches Engagement im Laufsport begonnen. Vasic stellte ein Zertifizierungssystem vor, das auf Standards in der Organisation und der Sicherheit beruht. Unabhängig von Größe und sportlichen Topleistungen können Laufveranstalter ihr Event anhand einer Checklist bewerten und werden als Ein-Stern, Drei-Stern oder Fünf-Stern Rennen anerkannt. Der Zertifizierungsvorgang erfolgt in Abstimmung mit dem ÖLV. Auf diese Weise soll ein europaweiter Kalender mit Laufveranstaltungen entstehen. Für Veranstalter bietet die Zertifizierung ein Marketing-Tool und auch ein Mittel zur Hinterfragung und Stärkung der eigenen Organisation. ÖLV-Laufsportreferent Heinz Eidenberger stellte das Online-Tool zur Zertifizierung vor. ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber wies darauf hin, dass anders beim IAAF Label System, die Einladung von Eliteläufern keine Rolle spiele. Weitere schriftliche Informationen durch den Verband werden folgen.

Neben zahlreichen Anstößen und interessanten Diskussionen brachte das Seminar einen weiteren positiven Effekt. Der Impulstag für Laufevents wird rund 700 Euro an den ÖLV übergeben. Ein Teil der Referenten hat auf ein Vortragshonorar verzichtet und fördert damit den Laufnachwuchs für die Crosslauf-EM in Hyères am 13. Dezember 2015.
Text: SIP / Andreas Maier
Foto: SIP / Johannes Langer