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Der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack (l.) beim IAAF-Kongress in Peking neben seinem Nachfolger Sebastian Coe.
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Französische Polizei durchsucht IAAF-Hauptquartier in Monaco
Die französische Polizei hat am Dienstag das Hauptquartier des Leichtathletik-Weltverbandes IAAF in Monte Carlo durchsucht und sich auf die Suche nach Informationen begeben, die Korruption im Rahmen von Dopingfällen bestätigen sollen. Besonders der ehemalige IAAF-Präsident Lamine Diack steht in der Schusslinie.
Französischen Nachrichtenmeldungen zu Folge gibt es gegen Lamine Diack konkrete Verdachtsmomente der Korruption und Geldwäsche. So soll der heute 82-jährige Senegalese zu Amtszeiten Geldsummen des russischen Leichtathletik-Verbandes entgegen genommen haben, um positive Dopingtests russischer Athleten zu verschleiern. Dies deckt sich mit der Beichte der russischen Marathonläuferin Liliya Shobukhova im Rahmen der deutschen TV-Dokumentation „Geheimsache Doping – wie Russland seine Sieger macht“. Die entscheidende Verbindungsperson war damals der Russe Valentin Balakhnitchev, der zu dieser Zeit zugleich den Posten des Präsidenten des russischen Leichtathletikverbandes und des Schatzmeisters der IAAF einnahm. „Gott weiß, was da vor sich geht“, sagte Russlands Sportminister Witali Mutko gegenüber der russischen Nachrichtenagentur TASS in einer ersten Reaktion. „Wir haben in unserem Verband Probleme gehabt. Das alte Management arbeitet inzwischen nicht mehr“, fügte er an. Balakhnitchev hat sein Amt im Weltverband und das Präsidentenamt in Russland verloren, ob er aus dem Hintergrund noch eine Rolle in der russischen Leichtathletik aus spielt, da scheiden sich aktuell die Geister.

WADA hält sich im Hintergrund

Mit einiger Verspätung hat sich auch die Welt Anti Doping Agentur WADA zu Wort gemeldet: „Die WADA wurde über die polizeilichen Ermittlungen unterrichtet. Diese Untersuchungen sind das Resultat von Informationen, welche die WADA den relevanten Behörden zugeschanzt hat“, heißt es in einem Statement, in dem es außerdem ausdrücklich heißt, die WADA werde den Fall vorerst nicht weiter kommentieren.

IAAF will kooperieren

Shobukhovas Fall ist jedoch nur der am konkretesten bekannte, deutsche und britische Journalisten berichteten im Sommer von möglichen, flächendeckenden positiven Dopingproben im vergangenen Jahrzehnt, welche vom Leichtathletik-Weltverband unter Führung Lamine Diacks unter den Teppich gekehrt wurden. Die IAAF hat in einer ersten Stellungnahme die Durchsuchung durch die französische Polizei bestätigt. „Die IAAF wird sämtliche Untersuchungen von Anfang bis zum Ende unterstützen und mit den Behörden kooperieren“, heißt es weiter. Im Zuge der Hausdurchsuchung sollen Informationen sichergestellt worden sein, der ehemalige Direktor der IAAF Anti-Doping-Abteilung Gabriel Dolle wurde in Gewahrsam genommen. Auch Diacks Anwalt und Vertrauter Habib Cisse steht im Zentrum der Ermittlungen.

Ethikkommission des IOC eingeschaltet

Mittlerweile befasst sich auch die Ethikkommission des Internationalen Olympischen Komitee (IOC) mit dem Fall. „Im Lichte der strafrechtlichen Ermittlungen gegen Herrn Lamine Diack, der IOC-Ehrenmitlgied ist, habe ich entschieden, den Fall an die Ethikkommission des IOC weiterzuleiten“, erklärte Kommissionschefin Paquerette Zappelli in einem Statement. Das IOC trete für „einen sauberen Sport und eine gute Amtsausführung“ ein und erwarte, „dass die vollständigen Fakten ans Licht kommen“, heißt es weiter.

Coe hält sich (noch bedeckt)

Diacks Nachfolger Sebastian Coe hält sich aktuell für ein Treffen mit dem russischen Leichtathletik-Verband in Moskau auf und hat sich zur Sachlage noch nicht geäußert. Dort habe er seine „kompromisslose Position im Kampf gegen Doping in der Leichtathletik klargestellt und unterstrichen, wie wichtig es sei, dem Sport seine Glaubwürdigkeit zurückzugeben und diese stets zu verteidigen.“ Durch die Ermittlungen gegen seinen Vorgänger steht der Brite vor einer weiteren, großen Herausforderung, die Leichtathletik nicht nur zu verteidigen, sondern die Glaubwürdigkeit zu wahren.

Der Grund dafür, dass sich Sebastian Coe aktuell noch zurückhält, könnte auch jener sein, dass die WADA angekündigt hat, am kommenden Montag in Genf den Bericht der rund ein Jahr andauernden Ermittlungen einer WADA-Kommission in Russland zu präsentieren.
Text: SIP / TK
Foto: SIP / René van Zee – getty images