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TRAININGSTIPPS
Norwegischer Physiker verkündigt Wunder-Laufstil
Ein norwegische Physiker und ein finnischer Physiologe behaupten in einem gemeinsam im Fachmagazin „New Scientist“ publizierten wissenschaftlichen Artikel indirekt, dass selbst Eliteläufer „falsch“ laufen und proklamieren einen Wunder-Laufstil auf Basis mathematischer Errechnungen.
Für diese als Sensation anmutende Erkenntnis berufen sich die beiden Wissenschaftler auf folgende Grundidee: Ein Läufer fällt bei jedem Schritt nach vorne, gewinnt dabei durch die Schwerkraft Energie, welche er bei der richtigen Anpassung seiner Schrittlänge optimal ausnutzen kann, um für den nächsten Schritt einen kleinen Extra-Boost zu generieren. Laut Berechnungen der beiden Skandinavier könne ein Läufer mit diesem theoretisch idealen Laufstil auf einer Distanz von zehn Kilometern rund 10% von der körperlichen Investition einsparen, was zu einer Verbesserung zwischen ein und zwei Minuten führen würde. Außerdem behaupten sie, dass mit einem optimalen Nutzen der Schwerkraft das Gehen ohne muskuläre Anstrengung möglich wäre.

Laufen eine Serie von Stürzen
Anschaulich zusammengefasst: Der ehemalige Läufer Svein Otto Kanstad sieht Laufen nicht als Serie von Sprüngen, sondern als Serien von Stürzen, die mit der Vorwärtsbewegung verhindert werden, wodurch eine Rotation entsteht. „Die Schwerkraft ist verfügbar und triebt uns beim Laufen vorwärts. In der Art, wie gelaufen wird, killen wir diesen Vortrieb. Wenn man das nicht macht, hat man 10% Energie frei“, so der norwegische Physiker.

Wie funktioniert die Wundertechnik?
Die beiden Forscher geben in ihrem Artikel sogar eine mit einigen mathematischen Gleichungen errechnete Anleitung, wie man sich diesen optimalen Laufstil aneignet. So muss man den Fuß beim Aufsetzen exakt unterhalb des Körperschwerpunkts aufsetzen und durch die Beugung des Oberkörpers nach vorne nimmt man den Drehimpuls, den die Schwerkraft erzeugt, mit. Diese Anleitung haben die beiden Forscher auch in einem kleinen Experiment bestätigt, sämtliche Probanden sagten nachher, sie liefen entweder mit gleicher oder erhöht verfügbarer Energie. Einer soll sogar gerufen haben: „Ich fliege!“, als er den definierten Laufstil am Laufband ausprobiert hat. Allerdings ist diese kleine Studie, welche in der nördlichsten Universitätsstadt der Welt, Tromsö durchgeführt wurde, nicht für repräsentative Erkenntnisse tauglich.

Michael Johnson als Vorbild
Kanstad hat sich diesen von ihm proklamierten Laufstil auf Basis mathematischer Errechnungen selbst angeeignet und hält die Sprinterlegende Michael Johnson als Vorbild, der diesem Laufstil am nächsten gekommen sei. „Wir fallen nach vorne und unsere Beine fangen uns auf. Dadurch entsteht eine Rotation“, erklärt er und fügt an, dass er keinen Spitzenathleten kennen würde, der sich auf diesem Gebiet nicht noch verbessern könnte. „Die Arme erhalten eine große Bedeutung, weil sie das Gegengewicht zur Bewegung der Beine darstellt und damit die Balance aufrecht erhält.“

Experten zweifeln

„Grau, treuer Freund ist alle Theorie“, lautet ein bekanntes Zitat des deutschen Dichters Johann Wolfgang von Göthe. Experten zweifeln den durch diese Studie verbreiteten Optimismus nämlich an und verweisen darauf, dass die Erkenntnisse nicht repräsentativ sind und weitere Tests und Experimente auf jeden Fall notwendig sind, um die Aussage zu bestätigen. Auch wenn die skandinavische Studie durchaus Vorgänger in der Wissenschaft findet, die einen ähnlichen Gedankenansatz verwendet haben, zeigen zahlreiche andere Studien klar auf, dass ein Läufer mit einem anerkannt guten Laufstil einem ökonomischen und effektiven Laufstil nachgeht. Aber: Der Bewegungsablauf eines Läufers ist ein komplexer Vorgang, besonders wenn man nach dem Optimum strebt, und vielleicht liefert dieses Dokument wichtige Anstöße für zukünftige Forschungen.
Text: SIP / TK
Foto: Salzburger Frauenlauf / Salzburg Cityguide