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Die Teilnehmer am Venedig Marathon erfreuten sich idealen Bedingungen und einer berauschenden Kulisse.
NEWS
Afrikanische Siege in Europa und ein Betrugsversuch in Kenia
Von fairen Läufen und erfolgreichen Marathon-Auftritten über Schweizer Meisterehren bis hin zu verhinderten Streckenrekorden und einem spektakulären, aber Gott sei Dank gescheiterten Betrugsversuch war am letzten Lauf-Wochenende im Oktober in der Laufwelt alles dabei. Ein Überblick.

Venedig Marathon

Einen souveränen Sieg feierte der Kenianer Julius Chepkwony beim Venedig Marathon. Angeführt vom prominenten Pacemaker Cornelius Kangogo, der die erste Hälfte in einer Zeit von 1:04:54 Stunden plangemäß absolvierte, entwickelte sich ein klassisches Ausscheidungsrennen. Als nur noch drei Kenianer vorne lagen, attackierte Chepkwony bei Kilometer 31 und erzwang somit die Vorentscheidung, welche er in einer Zeit von 2:11:08 Stunden vollendete. „Ich habe gemerkt, dass es langsamer wurde, und habe auf das Tempo gedrückt“, so der Kenianer, der bereits Marathons in Barcelona und Taipei gewinnen konnte. Das Podium komplettierten seine Landsleute Robert Ndiwa und Emmanuel Sikuku, der sich gerade noch vor dem schnellsten Italiener, Domenico Ricatti über die Ziellinie retten konnte.

Ein ähnlich spannendes Rennen entwickelte sich bei den Damen, wo zwei Kilometer vor dem Ziel noch drei Läuferinnen gemeinsam an der Spitze agierten. Dann attackierte die Äthiopierin Derbe Gebissa, die aber noch von ihrer Landsfrau Ehite Bizuayehu abgefangen wurde. Bizuayehu feierte mit einer Zeit von 2:35:19 Stunden bereits den sechsten Sieg in ihrem zehnten Marathon. Hinter Gebissa belegte Caroline Chepkwony, Zweite beim Vienna City Marathon 2014, den dritten Platz. Sie hatte beim Überqueren des Markusplatzes den Anschluss an die beiden Rivalinnen verloren und büßte am Ende eine halbe Minute ein. Der Venedig Marathon feierte heute gemeinsam rund 8.000 Marathonläuferinnen und -läufern seinen 30. Geburtstag.


Swiss City Marathon

Beim Swiss City Marathon im beschaulichen Luzern trug der Schweizer Leichtathletikverband Swiss Athletics seine Marathon-Meisterschaften 2015 aus. Gleich bei seinem Marathon-Debüt feierte Fabian Kuert in einer Zeit von 2:26:19 Stunden den Meistertitel mit einem Vorsprung von knapp drei Minuten auf Stephan Wenk und drei weiteren Minuten vor Heinz Bodenmann. Bei den Damen sicherte sich Conny Berchthold in einer Zeit von 2:45:20 Stunden den Titel vor Susanne Rüegger und Claudia Bernasconi. In Abwesenheit ausländischer Eliteläufer waren dies auch die Ergebnisse in der Gesamtwertung des Marathons am Vierwaldstätter See.


Marseille-Cassis

Mit zwei kenianischen Erfolgen ging das traditionsreiche Rennen zwischen Marseille und Cassis über die Distanz von 20 Kilometern entlang der südfranzösischen Küste zu Ende. Sowohl Edwin Kipyego bei den Herren und Peres Jepchirchir bei den Damen erzwangen die Entscheidung am 327m hohen Col de la Gineste, traditionell der Scharfrichter bei der Veranstaltung, die bereits zum 37. Mal über die Bühne ging. Kipyego setzte sich dort von seinem letzten Verfolger, Berhane Tekle ab und beendete das Rennen in einer Zeit von 57:18 Minuten mit knapp eineinhalb Minuten Vorsprung auf Tekle und Vorjahressieger Titus Mbishei.

Bei den Damen gelang Peres Jepchirchir die erste Titelverteidigung seit 27 Jahren. Die Kenianerin, die im Herbst bereits bei Rennen in Tschechien – Prag und Usti nad Labem – glänzen konnte, gewann überlegen in einer Zeit von 1:06:01 Stunden vor Shitaye Esthete aus Bahrain und Perendis Lekabana aus Kenia. Beide Siegerleistungen befanden sich übrigens deutlich unterhalb der bestehenden Streckenrekorde, konnten jedoch nicht gewertet werden, weil die Strecke aufgrund von Straßenarbeiten um rund 400 Metern verkürzt werden musste.


Lausanne Marathon

Knapp 15.000 Anmeldungen und erstmals über 13.000 Läuferinnen und Läufer, die ihre Bewerbe im Rahmen des Lausanne Marathon auch beendeten, sorgten für zwei Rekorde bei der Veranstaltung am Genfer See. Den Marathon bewältigten die Äthiopier am schnellsten: Bei den Herren siegte Yeshigata Tamiru bei seinem ersten Rennen in Europa in einer Zeit von 2:17:08 Stunden mit drei Minuten Vorsprung auf seinen Landsman Mtiku Alemi, Dritter wurde der Pole Lukasz Oskierko. Bei den Damen gewann Marathon-Debütantin Helen Bekele in einer Zeit von 2:31:24 Stunden vor ihrer äthiopischen Landsfrau Urge Diro und der Kroatin Marija Vrajic.


Nairobi Marathon

Obwohl Nairobi die Hauptstadt Kenias und damit die Hauptstadt jenes Landes ist, aus dem die Mehrzahl der besten Langstreckenläufer der Welt stammen, ist der Marathon in Nairobi international nicht bedeutend. Dies verdeutlichen auch die Siegerleistungen in diesem Jahr von Joshua Kipkorir (2:13:25 Stunden) und Elizabeth Rumokoi (2:29:32 Stunden), die immerhin die ehemalige drittplatzierte des Boston Marathon Georgina Rono auf Rang zwei verwies.

Schlagzeilen produzierte der Nairobi Marathon aber aufgrund eines unglaublichen Betrugsversuchs. Im Sprint um Rang zwei bei den Herren ließ Julius Njogu Shadrack Kiptoo auf der Zielgeraden im Stadion stehen wie ein Maserati im sechsten Gang einen Elektroller auf der Schnellstraße. Dass Njogu im Finale derartig explodierte, ohne wirklich außer Atem zu sein, machte den Veranstalter skeptisch und führte zur Disqualifikation. „Ich bin Zweiter. Ich habe nicht betrogen. Ich bin die ganze Strecke gelaufen. Ich habe für diesen Marathon hart trainiert und bin sehr enttäuscht, dass meine Leistung nicht anerkannt wird“, schimpfte Njogu. In Wirklichkeit hatte der 28-Jährige mit falscher Startnummer lediglich den letzten Kilometer absolviert, um das Preisgeld abzugreifen. Die Quittung erfolgte mit einer Festnahme.


Venedig Marathon
Swiss City Marathon
Marseille-Cassis
Lausanne Marathon
Nairobi Marathon
Text: SIP / TK
Foto: Veranstalter Venedig Marathon