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Auf der zweiten Marathonhälfte musste die Kämpfernatur Arne Gabius alles aus seinem Körper quetschen, um den deutschen Rekord zu sichern.
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Arne Gabius läuft in Frankfurt deutschen Marathon-Rekord
Die 27 Jahre alte deutsche Rekordmarke von Jörg Peter ist seit dem Frankfurt Marathon 2015 Geschichte. Arne Gabius läuft in einer Zeit von 2:08:33 Stunden 13 Sekunden schneller als sein Vorgänger beim Tokio Marathon 1987. An der Spitze markieren drei Ostafrikaner um den späteren Sieger Sisay Lemma allesamt persönliche Bestleistungen.
„Ich wollte den Rekord, jetzt habe ich alles“, seufzte Arne Gabius nach dem Rennen fast erleichtert. Offensiv hatte er im Vorfeld des Rennens angekündigt, die alte Marke von Jörg Peter aus den historischen Listen des Deutschen Leichtathletikverbandes verdrängen zu wollen und demonstrierte dabei eine bemerkenswerte Überzeugung. Und auch der Veranstalter war überzeugt davon, dass es der 34-Jährige schaffen würde, schließlich hatte der Frankfurt Marathon seinem Lokalmatador ein Rennen quasi auf den Leib geschneidert.

Gabius am Ziel seiner Träume
Der Frankfurt Marathon und Marathon-Deutschland waren gebannt auf Arne Gabius Darbietung in den Straßen der Mainmetropole und in der ersten Hälfte lief alles wie geplant. Die Spitzengruppe um den Deutschen passierte die Halbmarathon-Marke in einer Zeit von 1:03:22 Stunden, sogar noch acht Sekunden früher als geplant. Doch dann wurde der Kampf von Arne Gabius hart. Denn bereits bei Kilometer 25, früher als erhofft, konnte er das Tempo der Afrikaner nicht mehr halten und war damit für die letzten 17 Kilometer trotz Pacemaker-Unterstützung auf sich alleine gestellt. „Ich hatte einige muskuläre Probleme mit dem linken Oberschenkel. Ich habe mich konzentriert, die Schritte lang zu ziehen. Die letzten Kilometer waren sehr hart“, blickte Gabius zurück. In dieser Phase kam ihm seine Kämpfer-Mentalität, die er bereits im letzten Jahr an den Tag gelegt hatte, zu Gute. Schließlich hatte er ein ordentliches Polster auf den nationalen Rekord und von diesem Guthaben zehrte Gabius die gesamte zweite Hälfte. Als er die Ziellinie als insgesamt viertbester Läufer überquerte, stoppte die Uhr bei einer Zeit von 2:08:33 Stunden und die ohnehin hervorragende Stimmung kochte über. Denn Gabius hatte alle seine Ziele vollendet. „Die zweite Hälfte war ein Auf und Ab. Ich war so froh, als ich in der Festhalle ankam. Ich war so platt, habe alles gegeben“, resümierte der 34-Jährige nach dieser historischen Leistung zufrieden und erleichtert. Dass der Deutsche damit das Olympia-Limit in der Tasche hat und er gleichzeitig erstmals deutscher Meister im Marathonlauf wurde, waren im Verhältnis zur Rekordleistung nur zwei Randnotizen.

Lemma gewinnt spannenden Marathon
So dramatisch Arne Gabius' Kampf gegen den deutschen Rekord war, so spannend verlief das Rennen um den Sieg beim Frankfurt Marathon 2015. Kurz nachdem der Lokalmatador die Spitzengruppe nicht mehr halten konnte, forcierte Sisay Lemma das Tempo vehement. Bei Kilometer 28 setzte sich der Äthiopier dann von seinen Rivalen ab und startete einen Versuch, gemeinsam mit Tempomacher Wilfried Kigen alleine in Richtung Ziel zu laufen. Zu einem ähnlichen Zeitpunkt hatte Lemma im Frühjahr beim Vienna City Marathon die Initiative übernommen und war zu einem beeindruckenden Solo aufgebrochen. Doch diesmal erwies sich die Konkurrenz als weit hartnäckiger und vier Kilometer vor dem Ziel neutralisierten die Kenianer Alfers Lagat und Lani Rutto das Rennen, indem sie den Anschluss zu Lemma schafften. Doch der 25-Jährige hatte noch einen Pfeil im Köcher und attackierte ein weiteres Mal erfolgreich. „Ich bin froh über diesen Sieg, aber ich wollte eigentlich eine Zeit von 2:05 Stunden laufen“, betrachtete Lemma beide Seiten der Medaille.

Dennoch darf der Äthiopier, der in Frankfurt eine persönliche Bestzeit von 2:06:26 Stunden auf die Beine stellte, mit der Marathon-Saison 2015 sehr zufrieden sein. Einem hoffnungsvollen Auftakt in Dubai folgten die Siege bei den europäischen Marathon-Größen in Wien und Frankfurt – jeweils mit Verbesserung der persönlichen Bestleistung. Neue „Hausrekorde“ durften auch Lani Rutto als Zweiter in einer Zeit von 2:06:34 Stunden und Alfers Lagat als Dritter in einer Zeit von 2:06:48 Stunden bejubeln. Sisay Lemma ist erst der zweite äthiopische Sieger in der 35-jährigen Geschichte des Frankfurt Marathon, der erste seit 1984.


Ergebnis Frankfurt Marathon der Herren


1. Sisay Lemma (ETH) 2:06:26 Stunden
2. Lani Rutto (KEN) 2:06:34 Stunden
3. Alfers Lagat (KEN) 2:06:48 Stunden
4. Arne Gabius (GER) 2:08:33 Stunden
5. Suleiman Simotwo (KEN) 2:08:49 Stunden
6. John Cheruiyot (KEN) 2:08:56 Stunden
7. Estifanos Tewelde (ERI) 2:09:16 Stunden
8. Raymond Chemungor (KEN) 2:10:06 Stunden
9. Henry Chirchir (KEN) 2:10:22 Stunden
10. Micah Kogo (KEN) 2:10:24 Stunden

47. Christian Robin (AUT) 2:22:45 Stunden
106. Gerd Frick (AUT) 2:33:52 Stunden
115. Günter Schneider (AUT) 2:34:42 Stunden
136. Stefan Höller (AUT) 2:36:47 Stunden

Frankfurt Marathon
Text: SIP / TK
Foto: SIP / Johannes Langer