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Lisa Hahner hofft beim Frankfurt Marathon 2015 wieder voll durchstarten zu können.
NEWS
Zwei deutsche Hoffnungen beim Frankfurt Marathon 2015
Während Lisa Hahner nach zwei von Verletzungen beeinträchtigten Jahren wieder zurück in der sportlichen Spur ist und in Frankfurt sogar das DLV-Olympia-Limit attackieren möchte, stellt sich Mona Stockhecke einer besonderen Herausforderung: Sie bringt ihren Vollzeitjob und den Sport unter einen Hut. Die Gemeinsamkeit der beiden Damen: Sie sind am Sonntag beim Frankfurt Marathon im Einsatz, auf den sie in Interview vorausblicken.

Interview mit Lisa Hahner


Du hast Deine lange Verletzungspause genutzt und bist unter die Mountainbike-Artisten gegangen?

Lisa Hahner: „Ja, ich kann jetzt mit beiden Rädern abheben und über eine Wasserflasche springen. Es waren ja lange Monate, in denen ich nicht laufen durfte. Auch meine Fußballkünste haben sich extrem verbessert. Einen alten Trick von Ronaldinho habe ich jetzt fast perfekt drauf.“

Wie darf man sich nach Deinem Ermüdungsbruch im Wadenbein die ersten Laufschritte vorstellen?
„Der Wiedereinstieg nach der Verletzung war hart. Das Laufen war zunächst nicht mehr so, wie ich es kannte. Weil es ja leider nicht meine erste Verletzung war, wusste ich aber, dass ich über diesen Punkt hinüberkommen werde. Mit viel Geduld und Beharrlichkeit. In den vergangenen Wochen habe ich umso mehr das Gefühl genossen, dass es von Trainingseinheit zu Trainingseinheit besser läuft.“

Was macht Dich zuversichtlich, dass Du nach zwei Jahren wieder einen Marathon durchstehen wirst? „Weil es einfach läuft. Ich bin seit vielen Wochen gesund und beschwerdefrei und kann exakt nach Plan trainieren. Die Kurve ist steil nach oben gegangen.“

Welche Erinnerungen verbindest Du mit Deinem letzten erfolgreichen Marathonrennen in Frankfurt 2013?
„Sehr viele schöne Bilder. Ich denke in diesen Tagen sehr häufig an das damalige Rennen zurück. Damals bin ich Bestzeit gelaufen und die Stimmung im Ziel war grandios. Ich liebe den Einlauf in die Festhalle und auch die Atmosphäre am Streckenrand war super. Ich wollte in diesem Jahr unbedingt zurück nach Frankfurt.“

Ist es realistisch, nun schon die Olympianorm von 2:28:30 Stunden in Angriff zu nehmen?
„Ich werde in Frankfurt so schnell laufen wie ich kann. Ob die Zeit es in den Augen des DLV wert sein wird, dass ich in Rio starte, werde nicht ich entscheiden. Meine Ziel ist es, schnell zu laufen und mich um ein oder zwei Minuten im Vergleich zu 2013 zu verbessern. Das scheint mir sehr gut möglich.“

Fühlt es sich gerade wie ein Neustart Deiner Karriere an nach zwei verletzungsbedingt quasi verlorenen Jahren?
„Nein, das wäre zu hoch gegriffen. Es sieht auf den ersten Blick doof aus, dass ich zwei Jahre keinen Marathon mehr bewältigt habe. Aber ich habe im Frühjahr 2014 und auch in diesem Frühjahr jeweils eine fast komplette Marathonvorbereitung absolviert, ehe die Verletzungen kamen. Es fühlt sich nicht so an, als ob ich ganz draußen gewesen bin.“

Kannst Du Deine Unbekümmertheit und Freude am Laufen aufrechterhalten mit dieser Vorgeschichte mit zwei schweren Verletzungen?
„Ich glaub schon. Ich freue ich mich gerade deshalb so megamäßig auf Frankfurt, weil es für mich das Größte ist, nach 42,195 Kilometern über eine Ziellinie zu laufen.“

Wie darf man sich die Zusammenarbeit mit dem wohl berühmtesten Marathontrainer Renato Canova vorstellen, der über 100 Topathleten auf der ganzen Welt betreut?
„Er schreibt uns unsere Trainingspläne und wir stehen im ständigen Email- und Telefonkontakt. Wir nennen ihn Maestro, wenn wir über ihn sprechen. Er kennt das Marathongeschäft vermutlich wie kein Zweiter. Er weiß auf jede Frage eine lange Antwort (lacht).“

Wie sehr hast Du mit Deiner Zwillingsschwester Anna bei Ihrem Rennen in Berlin mitgefiebert?
„Anna war in Berlin extrem fit und ich hätte ihr eine richtig krasse Zeit zugetraut. Schade, dass es - in Anführungsstrichen – nur eine 2:30:19 wurde. Ein Marathon bleibt ein Marathon – da kann alles passieren.“

Welche Rolle wird Anna in Deinem Rennen am 25. Oktober spielen?
„Ich fände es cool, wenn Anna auf dem Fahrrad in Frankfurt unterwegs wäre und mir die Getränkeflaschen reicht.“


Interview mit Mona Stockhecke


Mona, wir erreichen Dich in den Vereinigten Staaten. Bist Du ausgewandert?
Mona Stockhecke: „Ich bin dank eines wissenschaftlichen Mobilitätstipendium des Schweizer Nationalfonds seit Februar beruflich in den USA. Als Wissenschaftlerin an dem „Large Lakes Observatory“ der Universität von Minnesota in Duluth darf ich mich in den kommenden zwei Jahren damit beschäftigen, wie Klima- und Umweltveränderungen in Kenia und Äthiopien über die letzten vier Millionen Jahre die menschliche Evolution und Migration nach Europa beeinflusst hat. Die Zusammenarbeit mit den europäischen, insbesondere Schweizer Kollegen und Instituten ist eng, so dass ich weiterhin beruflich in Europa sein werde.“

Du trainierst also derzeit nicht mehr am Ufer des Zürich Sees, sondern an den Großen amerikanischen Seen?
„Genau, am Lake Superior, dem größten der fünf Großen Seen. Wenn ich die Wellen und die großen Containerschiffe sehe, kommt es mir vor wie meine Geburtsstadt Hamburg. Die Strände und Möwen erinnern mich dann aber eher ans Meer und meine Lieblingsinsel Sylt. Der Geruch und das Wasser führt mich gedanklich zu meiner Wahlheimat Zürich – wenn auch einem Ozean gleicht, es ist und bleibt halt ein unvergleichbarer See der hier den Alltag mitbestimmt.“

Dein Herbstmarathon findet nun wieder in Frankfurt statt. Mit welchem Ziel wirst Du am 25. Oktober vor dem Messeturm an der Startlinie stehen?
„Ich habe dieses Jahr sportlich eine rechte Holperpartie hinter mir, ausgehend von Komplikationen mit einer Nasennebenhöhlenoperation im Winter, gefolgt von einem Eisenmangel im Frühling. Es hat mich physisch wie auch psychisch gefordert, meine sportlichen Ziele weiterzuverfolgen, gerade weil ich mich parallel an ein neues Umfeld und eine neue Umwelt gewöhnen musste. Als ich im Sommer merkte, dass die Schlaglöcher auf der Piste tatsächlich geflickt waren und ein intensives Training erlaubten, konnte die Marathonvorbereitung beginnen. Diese verlief für mich bisher nach Wunsch. Mein Ziel für Frankfurt ist, dort anzuknüpfen, wo ich im vergangenen Herbst aufgehört habe und eine neue Bestzeit zu laufen.“

Wie bist Du umgegangen mit Deiner lange rätselhaften körperlichen Schwäche?
„Es war hart, die Vorbereitung nicht umsetzten zu können und anstatt Form zu erleben, mit Müdigkeit und Abgeschlagenheit zu kämpfen. Wenn man nicht weiß, was los ist und sich dann in einem Gesundheitssystem befindet was eher einem Business gleicht anstatt der erstklassischen deutschen oder Schweizer Versorgung. Es dauerte alles sehr lange. Als die Eisen-Behandlung begann, war das Defizit einfach schon zu groß für eine rasche Rekuperation. Hamburg abzusagen war auch rückblickend die richtige Entscheidung, da sich mein Blutbild nach dem Marathontermin trotz Behandlung erstmal noch verschlechterte bevor die Behandlung wirkte. Es dauert Monate bis sich das Blut und die Eisenvorräte erneuern und das musste ich lernen zu akzeptieren. Ich brauchte viel Geduld und muss mir immer wieder sagen: Take it easy, cool bleiben und freu dich, dass es eigentlich ein kleines Problem ist. Laufen war nicht immer Fun in der Zeit. Klar, jetzt lasse ich meinen Eisenhaushalt regelmäßig kontrollieren.“

Was macht Dich zuversichtlich, dass Du nach Deiner Krankengeschichte in diesem Jahr Dein Leistungsvermögen abrufen kannst?
„Es gibt da eigentlich drei Gründe. Erstens: Ich habe eine Marathonerfahrung mehr in Beinen und Kopf. Zweitens: Ich habe zwei Marathonvorbereitungen mit größeren Umfängen und Intensitäten in diesem Jahr gemacht – auch wenn ich meinen Frühjahrsmarathon in Hamburg kurzfristig absagen musste, habe ich summa summarum die Trainingsstunden in mir. Drittens: Meine Fortschritte in den vergangenen drei Jahren waren rückblickend einfach toll und ich rollte wie selbstverständlich von einem Ziel zum nächsten. Rückschläge waren mir als Athletin bis dato unbekannt. Die Situation, mit der ich mich in diesem Jahr auseinandersetzen musste, verlangte von mir, dass ich mich auf sportliches Neuland begebe und andere, sagen wir mal, Soft Skills zu entwickeln. Das stärkt bekanntlich.“

Wie beurteilst Du Deine Chancen, in Frankfurt deutsche Meisterin zu werden?
„Exzellent! Natürlich bleibt Marathon ein Marathon und ich habe großen Respekt. Wenn ich allerdings meinen Tag erwische, dann ist alles möglich.“

Ist das Frankfurter Rennen nach Deiner Vorgeschichte ein besonders wichtiges, auch für den weiteren Verlauf Deiner Karriere?
„Primär ist es eine Etappe auf meinem Weg. Das Rennen wird meinen Status quo aufzeigen, was maßgeblich für die Planung in 2016 sein wird.“

Hat sich Deine Doppelbelastung von Leistungssport und voller Berufstätigkeit in den USA verändert?
„Die Erwartungen sind beruflich sicherlich nicht kleiner geworden und haben sich etwas verändert. Allerdings hat auch der Sport in den USA und gerade an den High-Schools einen viel höheren Stellenwert. Die sportliche Infrastruktur an der Uni ist hervorragend. Da wird hier sehr viel Wert drauf gelegt und die Rahmenbedingungen vereinfachen es für mich, Sport und Arbeit unter einen Hut zu bringen. Allerdings ist es nicht leicht, eine Trainingsgruppe auf meinem Niveau zu finden. Aber insgesamt sind die Leute hier sehr sport- und laufverrückt und die Natur um mich herum einladend. Mittlerweile komme ich jetzt langsam von Entdeckungs- und Orientierungsphasen zu dem Punkt, an dem das Normale das Neue ersetzt.“

Eignest Du Dir etwas mit von dieser typisch amerikanischen Herangehensweise an? Nach dem Motto: Natürlich laufe ich heute Bestzeit, kein Zweifel!
„Das trifft den Nagel auf den Kopf! Die Amerikaner tun das einfach und denken weniger darüber nach, ob sie das auch können oder ob das jetzt gerade realistisch ist. Man feuert sich auch hier gegenseitig - oder auch sich selber - ganz anders und viel mehr Begeisterung an. ,Make it happen' oder ,just have some fun' hört man viel öfter. Sie haben es irgendwie drauf, unsere eigentlich spielerische und neugierige Natur im Erwachsenenalltag nicht zu verlieren. Inwieweit es mich prägen wird, wird sich zeigen, aber sicherlich wird es meine Persönlichkeit nicht negativ beeinflussen.“

Welche Erinnerungen hast Du an Deinen letzten Marathonauftritt in Frankfurt 2014?
„Umso mehr er zurückliegt, desto mehr denke ich: Wow! Dass es damals alles so astrein gelaufen ist und ich in der Lage war, mein Leistungsvermögen mehrmals im Jahr abzurufen, weiß ich immer mehr zu schätzen. Frankfurt war nach dem Zürich Marathon und den Europameisterschaften der dritte Marathon 2014 – und es war ein riesengroßes tolles Erlebnis.“

Frankfurt Marathon
Text: Frankfurt Marathon
Foto: Frankfurt Marathon