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Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Großbritannien zeigt, welche Wirkung dieser Tropfen ganz abgesehen von der körperlich-leistungssteigernden bewirken kann.
TRAININGSTIPPS
Placebo-Effekt wirkt – Falsches EPO macht Läufer flinke Beine
Jahrelang war EPO im Spitzensport der Schlüssel zum Erfolg und ist es möglicherweise auch noch jetzt. Bis vor gut einem Jahrzehnt nicht einmal nachweisbar, verlieh das wohl bekannteste Dopingmittel Spitzensportler weltweit Flügel. Eine wissenschaftliche Untersuchung aus Großbritannien zeigt, dass Doping nur einen (allerdings wesentlichen) Teil der Leistungssteigerung ausmacht.
Es ist sicherlich nicht die gängigste wissenschaftliche Vorgehensweise, seine Probanden anzulügen – doch wenn es der Wissenschaft dient, eine durchaus probate. Schottische Forscher haben nun in einer aktuellen wissenschaftlichen Studie, welche demnächst in der Fachzeitschrift „Medicine & Science in Sports & Exercise“ abgedruckt wird, nachgewiesen, welch große Rolle der Kopf bei der Ausübung sportlicher Leistung spielen kann.

Mentale Stärke als Schlüssel zum Erfolg
Es ist ein gängiger Sager, dass im Spitzensport der Kopf zwischen Sieg und Niederlage entscheidet, nicht die Muskeln, Beine oder Arme. Dies gilt nicht nur für den Laufsport, aber auch in der Leichtathletik ist mentale Stärke eine große und legale Waffe. Und diese Waffe wird noch mächtiger, wenn Athleten der Meinung sind, sie seien physisch sehr stark – einen Zustand, den Sportler mitunter durch illegales Doping erzielen.

Die schottischen Forscher, die 15 Hobbyläufer zu einer Studie zusammen geführt haben, zeigen auf Amateurebene eindrucksvoll die mentale Wirkung von Doping auf, welche geständige ehemalige Dopingsünder aus dem Spitzensport in Erzählungen und Biografien bereits ausführlich beschrieben haben. Die 15 Läufer, ausnahmslos Männer, absolvierten binnen einiger Wochen täglich ein drei Kilometer langes Rennen auf einer 200m langen Indoor-Bahn (damit waren die äußeren Bedingungen identisch). Während einer ausgewählten Woche bekamen die Teilnehmer täglich eine Spritze zur Verfügung gestellt, deren Inhalt sie sich mittels einer Selbstinjektion einführten. Die Wissenschaftler versetzten die Probanden in den Glauben, die Spritzen seien mit leistungssteigerndem EPO (Erythropoetin) gefüllt. Tatsächlich handelte es sich um eine harmlose und nicht leistungssteigernde Salzlösung.

Leistungssteigerung

Und tatsächlich, der Placebo-Effekt wurde Realität. Im Glauben, wirklich gedopt zu sein und mehr rote Blutkörperchen als Sauerstofftransporteure im Blut zur Verfügung zu haben, absolvierten die 15 Probanden die drei Kilometer im Durchschnitt knapp zehn Sekunden schneller – eine Steigerung von 1,2%. „Dieser Unterschied ist statistisch bemerkenswert sowie psychologisch sehr relevant und zeigt auf, wie Spitzensport auf höchstem Niveau funktioniert. Bei den Olympischen Spielen 2012 war der Unterschied zwischen der Goldmedaille und dem vierten Platz bei sämtlichen Laufentscheidungen unter 1%“, ist im Forschungsbericht zu lesen. Um es noch einmal zu verdeutlichen: Diese Leistungssteigerung hatte ihre Ursache nicht im wirklichen Doping, sondern in einem Irrglauben, gedopt zu sein. Man kann sich vorstellen, wie hoch die Steigerungsrate wäre, wäre zum Placebo-Effekt tatsächlicher EPO-Missbrauch dazugekommen.

Vor Selbstvertrauen strotzen
Die Wahl, EPO als vorgetäuschtes Dopingmittel zu nehmen, ergründet sich darin, dass EPO die mittlerweile auch in der Öffentlichkeit wohl bekannteste Art des Dopings ist. Das Geheimnis, so erzählten die Probanden im Nachhinein unisono, nachdem der Forschungsprozess aufgeklärt worden war, war, dass die Läufer mit der Erwartungshaltung, leistungsfähiger zu sein, in die Läufe gingen, vor denen sie vermeintlich gedopt waren. Außerdem erzählten sie davon, dass sie jene Läufe im Vergleich mit weniger Anstrengung absolviert hatten, obwohl sie deutlich schneller liefen, da sie sich innerlich deutlich mehr puschen konnten und das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten größer war. 
Text: SIP / TK
Foto: SIP / photocase